Wilhelm (William) Steinitz  
Name
Wilhelm Steinitz
Land
Österreich USA
* 14/05/1836 Prag
gestorben 12/08/1900 New York
Weltmeister 1886 - 1894

"Steinitz erschloß den ganzen geistigen Reichtum des Schachs. Er hat den Charakter dieses alten Spiels grundlegend verändert" (Anatoly Karpov)

WILHELM STEINITZ, 13. Kind einer armen Handwerkerfamilie trug als erster den offiziellen Titel Weltmeister (1886 - 1894) und war vielleicht der tiefste Denker, den das Spiel je gesehen hat.

Obwohl nicht ganz so großartig im Gespür für komplexe Kombinationen wie seine Rivalen Zukertort und dem russischen Vorkämpfer Mikhail Chigorin, änderte sein tiefes Verständnis für das Positionsspiel und für die Anhäufung von kleinen, aber dauerhaften Vorteilen die Auffassung einer ganzen Generation von Schachmeistern und ließ die Talentiertesten unter seinen Gegnern in hilflose Verblüffung geraten.

Er erkannte, dass man bei der Partiegestaltung nach positionellen Vorteilen streben müsse und dass erst auf deren Grundlage eine kombinatorische Entscheidung möglich sei. Zu diesen erstrebenswerten Zielen gehörten für ihn eine gesunde Bauernstruktur, die Vermeidung von Felderschwächen, die Bauernmehrheit am Damenflügel, das Läuferpaar, die Schaffung eines Figurenvorpostens usw. Galten Paul Morphy und Adolph Anderssen als die Meister der offenen Feldschlacht, so wurde Steinitz der unerreichte Meister der geschlossenen Stellungen. Seine Zeitgenossen begegneten dieser revolutionären Schachauffassung mit Unverständnis. Als Denker und Spieler war er ihnen um Jahrzehnte voraus. Deshalb gelang es ihm auch, vor allem in Zweikämpfen, von 1862 bis 1894 sämtliche Rivalen aus dem Felde zu schlagen, darunter auch seine Titelkonkurrenten Mikhail Chigorin und Isidor Gunsberg. Ohne seine Erkenntnisse auf diesem Gebiet, wäre das moderne Schach nicht denkbar. Ein Bezwinger erwuchs ihm erst in dem mehr als dreißig Jahre jüngeren Emanuel Lasker, der die Prinzipien von Steinitz noch geschmeidiger und souveräner handhabte als ihr Entdecker selbst.

Als er 1858 zwecks politechnischer Studien nach Wien kam, übte er sich in seinem geliebten Schachspiel mit eigenhändig auf Papier gezeichneten und ausgeschnittenen Figuren und einem ebensolchen Schachbrett.

Einige Quellen bezweifeln, daß Steinitz tatsächlich an einer Hochschule studiert hat, sie meinen, er sei so arm gewesen, daß sein Geld dafür nicht reichte. Wenn Steinitz auch wirklich ein Studium aufnahm, so hat er es jedoch auf keinen Fall beendet.

In den Wiener Kaffeehäusern war es damals üblich, um einen Einsatz zu spielen. Da Steinitz seine Partner bald übertraf, bezog er auf diese Weise ein bescheidenes, aber ständiges Einkommen.

Dank dieser Leistung gelang es dem Präsidenten der Gesellschaft, Steinitz eine internationale Bewährungsprobe zu verschaffen. Steinitz erhielt die Möglichkeit, sich am Londoner Turnier zu beteiligen, das vom 16. Juni bis 2. August 1862 von 14 Bewerbern bestritten wurde. Hier errang er hinter Adolf Anderssen, Louis Paulsen, John Owen, George MacDonnell und Serafino Dubois den 6.Platz. Er gewann 8 Partien und verlor 5. Unentschieden wurden nicht gewertet. Als Preisgeld für den 6.Platz bekam er 5 Pfund.

Nach dem Turnier forderte er den 5.Preisträger Dubois zu einem Wettkampf heraus Steinitz gewann (+5 -3 =1). Es dauerte 31 Jahre und 25 Matche bis er in einem Wettkampf geschlagen wurde.

Wilhelm Steinitz

Steinitz fand in England eine freundliche Aufnahme. Da sich das englische Schachleben mehr in Klubs als in Kaffeehäusern abspielte, schien es Steinitz zweckmäßig von der österreichischen Hauptstadt nach London überzusiedeln, um dort seinen Plan, Berufsschachspieler zu werden, zu verwirklichen.

Im September 1862 gewann er das Londoner Meisterschafts - Turnier mit dem Ergebnis von 7 - 0 Punkten. In den darauffolgenden zwei Jahren errang er vier bedeutsame Triumphe. In Matches bezwang er Londons besten Spieler Henry Blackburne (+7 -1 =2), Mongredien (+7 -0 =0), John Owen (+7 -0 =2) und den Belgier Deacon (+5 -1 =1).

Er reiste durch England gab Simultanvorstellungen und gewann Turniere. Steinitz gewann 1865 in Dublin die irische Meisterschaft. Im Juni/Juli 1866 gewann er das Londoner Turnier, das im KO - System ausgetragen wurde, mit einem Ergebnis von (+8 -3 =0).

Vom 18. Juli bis 10. August 1866 spielte Steinitz in London einen Wettkampf mit dem zu dieser Zeit stärksten Schachspieler der Welt, dem deutschen Adolf Anderssen.

Steinitz bezwang Anderssen mit (+8 -6 =0). Zum ersten Mal wurden mechanische Uhren (Sanduhren) eingesetzt. Die Zeitkontrolle war 20 Züge in zwei Stunden. Das Preisgeld für den Sieger betrug 100 Pfund.

Steinitz Freude, den stärksten Schachspieler der Welt bezwungen zu haben, währte nicht lange. Er ruhte auf seinen Lorbeeren nicht aus, und schon nach einem Monat trug er ein neues Match aus, diesmal gegen den Engländer Henry Bird. Bird war sechs Jahre älter als Steinitz. Er war ein Schachspieler voller Einfälle, gehörte allerdings nicht zu den größten Meistern. Er wechselte mehrere Partien mit Paul Morphy, konnte jedoch keinen Gewinn gegen ihn erringen - nicht einmal im Simultanspiel. Man hätte erwarten können, daß Steinitz seinen Gegner klar besiegen würde. Derselben Meinung dürfte auch Steinitz selbst gewesen sein, indess erlitt er beinahe ein Fiasko. Er vermochte mühsam mit (+7 -5 =5) zu siegen.

Das im September 1867 in Dundee (Schottland) von zehn Teilnehmern bestrittene Turnier brachte Steinitz keinen vollen Erfolg. Den ersten Platz errang der 29jährige G.Neumann, die große Hoffnung des deutschen Schachs (er starb mit 43.Jahren), mit 7,5 Punkten. Die weitere Reihenfolge war: 2.Steinitz 7 Pkt, 3.bis 4.MacDonnell und C.de Vere 6,5 Pkt, 5.Blackburne 5 Punkte. Dieses Turnier war das erste in denen unentschiedene Partien nicht noch einmal gespielt sondern mit einem halben Punkt gewertet wurden.

In dem vom 4.Juni bis 21.Juli 1867 abgewickelten Turnier zu Paris, das anläßlich der Pariser Weltausstellung veranstaltet wurde, erreichte Steinitz hinter dem Sieger Ignaz Kolisch und dem zweiten Simon Winawer den dritten Platz.

1870 trat er gegen den immer berühmter gewordenen Blackburne zum Kampf an und errang - wie schon das erstemal - auch jetzt einen überlegenen Sieg (+5 -0 =1).

In Baden - Baden 1870 fand ein doppelrundiges Turnier mit 10 Teilnehmern statt, an dem sich auch der gealterte, aber sich noch immer eines guten Rufes erfreuende Anderssen beteiligte. Den ersten Preis trug Anderssen mit 13 Punkten vor Steinitz mit 12,5 sowie Blackburne und Neumann mit 12 Punkten davon. Steinitz verfehlte nur um einen halben Punkt den Turniersieg. Dieser mäßige Erfolg berührte Steinitz desto schmerzlicher, als er gegen Anderssen in beiden Partien unterlag.

Im Juli 1872 gewann Steinitz ein Turnier in London vor Blackburne und Johannes Zukertort. Er gewann 7 Partien und spielte eine Remis. Im August 1872 spielte Steinitz in London erneut ein Match gegen Zukertort und gewann mit (+7 -1 =4).

1873 wurde in Wien ein Weltturnier veranstaltet. Unter den 12 Teilnehmern befanden sich Steinitz, Anderssen, Bird, Blackburne, L.Paulsen und Rosenthal. Um einen vollen Punkt mußten 3 Partien gespielt beziehungsweise mindestens zwei Siege errungen werden. (Im Falle einer Führung von 2 - 0 wurde die dritte Partie nicht mehr ausgetragen; bei einem Resultat von 1,5 -1,5 erhielt jeder der beiden Kontrahenten einen halben Punkt zugesprochen.) In dem vom 21.Juli bis 29.August ausgefochtenen Kampf erzielten Steinitz und Blackburne je 10 Punkte. Steinitz Score war (+18 -2 =2). Blackburne erreichte (+20 -7 =3). In dem Stichkampf um den ersten Preis behielt Steinitz mit 2 - 0 die Oberhand. Die weitere Placierung war: 3.Anderssen 8,5 Pkt, 4.Rosenthal 7,5 Pkt, 5.bis 6.Bird und L.Paulsen je 6,5 Punkte. Niemand bestritt mehr, daß Steinitz der stärkste Schachspieler der Welt war.

Die Tätigkeit von Steinitz erreichte im Jahre 1874 einen Wendepunkt. Die Redaktion der englischen Zeitschrift "THE FIELD" entschloß sich, eine Schachspalte einzurichten. Zu deren Leitung wurde Steinitz aufgefordert. "THE FIELD " wurde acht Jahre lang das interessanteste und bedeutendste Schachorgan in Europa. Steinitz veröffentlichte darin die besten der von ihm selbst und anderen Meistern gespielten Partien und knüpfte daran eingehende Analysen. Auf diese Weise entfaltete sich allmählich die damalige moderne Schachanschauung.

Im Februar 1876 spielte Steinitz in London ein Match gegen Blackburne und gewann überzeugend mit (+7 -0 =0).

1882 nahm Steinitz am Wiener Turnier teil. Die komplette Garde der Rivalen startete, und es stand ein großer Kampf in Aussicht. Am Ende des Kampfes teilte er gemeinsam mit Winawer den 1. bis 2. Platz (24 Punkte) vor Mason 23 Pkt. 4. bis 5. Mackenzie und Zukertort je 22,5 Pkt. 6. Blackburne 21,5 Pkt. 7. Englisch 19,5 Pkt. und 8. L.Paulsen 18,5 Punkte. Der damals 31jährige Chigorin belegte mit 14. Punkten den 13. Platz.

Dieser glorreiche Sieg hatte für Steinitz sehr bedeutsame Folgen. Steinitz erhielt bald eine Einladung nach Amerika, und wie Paul Morphy 25 Jahre zuvor Europa erobert hatte, so eroberte jetzt Steinitz die neue Welt. Er eilte von Erfolg zu Erfolg.Gewaltig aufgebauschte Wettkämpfe,Simultanpartien, Blindspiele und Beratungspartien lösten einander ab.

Wilhelm Steinitz

Von April bis Juni 1883 beteiligte sich Steinitz am Turnier zu London, das die berühmtesten damaligen Schachmeister vereinte. Der 14 Doppelrunden währende Kampf brachte jedoch eine bittere Enttäuschung. Zwar brauchte er mit seinen 73 Prozent in dem äußerst starken Feld an sich nicht unzufrieden zu sein. Indes trumpfte Zukertort, der zu der Zeit den Gipfel seiner Laufbahn erreicht hatte, mit einer noch wesentlich besseren Leistung (85 Prozent) auf. Der Endstand lautete: 1. Zukertort 22 Pkt.2. Steinitz 19 Pkt, 3. Blackburne 17,5 Pkt, 4. Chigorin 16 Pkt, 5. bis 7. Englisch, Mackenzie und Mason je 15,5 Pkt, 8. Rosenthal 14 Pkt, 9. Winawer 13 Pkt, 10. Bird 12 Pkt, 11. Noa 9,5 Pkt, 12. Sellmann 6,5 Pkt, 13. bis 14. Mortimer und Skipworth je 3 Punkte. Nach dem Londoner Turnier war es an der Zeit, mittels eines Matches zu klären, ob Steinitz oder Zukertort der beste Schachspieler der Welt ist.

Im August 1883 wanderte Steinitz in die Vereinigten Staaten aus und erlangte die amerikanische Staatsbürgerschaft. Er zog nach Philadelphia und wurde Mitglied des Franklin Chess Club. Später zog er nach New York um.

1884 hielt Steinitz unter anderem Blindsimultanvorstellungen und spielte während der Vorstellungen gleichzeitig Karten.

Im Januar 1885 gründete Steinitz das "INTERNATIONAL CHESS MAGAZINE." Es wurde eine ausgezeichnete Zeitschrift, brachte aber kaum Einkünfte, ja verwandelte sich sogar in ein ausgesprochenes Verlustgeschäft.

Im Dezember 1891 wurde die Herausgabe der Zeitschrift eingestellt. Steinitz schrieb auch Artikel für die Zeitungen "THE NEW YORK TRIBUNE" und die "THE NEW YORK HERALD".

1886 forderte Steinitz, Zukertort zu einem Wettkampf heraus. Das Messen war offiziell als Wettkampf um den Weltmeistertitel ausgeschrieben. Der große Kampf Steinitz gegen Zukertort begann am 11. Januar 1886 zu New York im gleichen Saal, in dem Morphy einst gespielt hatte. Etwa vierzig Besucher kamen zur Eröffnung dieses Historischen Ereignisses. Bei diesem Match wurde das erstemal ein Demo - Brett verwendet. Den zum Weltmeistertitel erforderlichen 10. Sieg errang Steinitz in der 20. Partie. Steinitz triumphierte mit (+10 -5 =5) und war nun auch offiziell Schachweltmeister. Steinitz erhielt als Preisgeld $2000 Dollar. Als sich Steinitz mit dem Weltmeistertitel schmückte, hatte er den Höhepunkt seiner Laufbahn bereits überschritten.

In den Jahren darauf tauchten in den europäischen Turnieren in rascher Folge immer neue Talente auf, die alle Anwärter für die Weltmeisterschaft waren. Steinitz maß sich mit ihnen nur anhand von Analysen, an Turnieren nahm er nicht teil. Immer nachdrücklicher wurde daher gefordert, daß er gegen den Besten der neuen Generation einen Wettkampf bestreiten sollte. Die Vorgeschichte des ersten - im Jahre 1889 ausgefochtenen - Matches geht bis 1887 zurück. Steinitz besuchte 1887 Havanna. Außer Simultanvorstellungen spielte er einige Matche mit den Lokalmatadoren und schlug sämtliche Gegner vernichtend. Da erbot sich die Leitung des dortigen sehr reichen Schachvereins, einen Zweikampf zwischen dem Weltmeister und einem würdigen Gegner zu organisieren. Mit der Auswahl des Partners wurde Steinitz selbst betraut.

Er erkor sich den Russen Mikhail Chigorin zum Gegner aus. Der Zweikampf dauerte vom 20.Januar bis zum 24.Februar 1889 und wurde in Havanna, Kuba ausgetragen. Steinitz sicherte sich den Matchsieg mit (+10 -6 =1). Steinitz erhielt als Preisgeld $1150 Dollar, das geringste Preisgeld,das je für eine Schach - WM gezahlt wurde.

Im März 1889 schrieb Steinitz das Buch "THE MODERN CHESS INSTRUCTOR " das Anfang des Jahres 1890 veröffentlicht wurde. Er organisierte auch den 6. Amerikanischen Schach Kongreß in New York. Den Rest des Jahres verbrachte er damit ein Buch über dieses Turnier zu schreiben. Das Buch wurde 1891 herausgeben.

Nach einem Jahr verteidigte Steinitz abermals in einem Zweikampf seinen Weltmeistertitel. Diesmal war Isidor Gunsberg der Widersacher. Zuvor lehnte Steinitz die Herausforderungen von Bird und Mason ab, da sie keine besonderen Erfolge aufweisen konnten, die ihren Anspruch gerechtfertigt hätten - zumal sie ihm in Turnieren stets unterlegen waren. Das Match zwischen Steinitz und Gunsberg begann am 9. Dezember 1890 in New York und dauerte bis zum 22. Januar 1891. Steinitz siegte schließlich mit (+6 -4 =9). Steinitz erhielt 2/3 vom gesamten Preisgeld ($3000 Dollar), Gunsberg bekam 1/3 zugesprochen. Das erstemal, das der Verlierer auch ein Preisgeld erhielt.

Im Jahr 1891 kam es zu einer Meinungsverschiedenheit zwischen Steinitz und Chigorin. Im Zweispringerspiel im Nachzuge steht nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sf6 4.Sg5 d5 5.ed5: Sa5 6.Lb5+ c6 7.dc6: bc6: 8.Le2 h6 9.Sh3 laut Chigorin nicht Weiß, sondern Schwarz besser; die Variante des Evans-Gambit 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 Lb4: 5.c3 La5 6.0-0 Df6 7.d4 Sh6 schätzte Chigorin - im Gegensatz zu Steinitz - als günstig für Weiß ein).

Um diese Meinungsverschiedenheiten zu klären, wurde ein Kabelmatch mit den zwei Varianten vereinbart. Der Einsatz betrug $750 Dollar. Beide Partien haben die Richtigkeit von Chigorins Standpunkt bekräftigt: Der russische Meister siegte 2 - 0. Steinitz wurde während des Kabel - Matches von der New Yorker Polizei verhaftet und als Spion verdächtigt. Kurze Zeit später wurde er aber wieder auf freien Fuß gesetzt, es stellte sich heraus das die Codes nichts anderes als Schachnotationen waren.

1892 verteidigte Steinitz erneut seinen Titel gegen Chigorin in Havanna, Kuba. Das Match dauerte vom 1. Januar bis 28. Februar 1892. Der Kampf wurde mit gewaltigem Interesse und großer Spannung verfolgt. Steinitz setzte sich schließlich durch und verteidigte seinen Titel mit dem Resultat von (+10 -8 =5).

Im März 1894 verteidigte Steinitz den Titel gegen Emanuel Lasker. Der wie ein Komet aufgetauchte 25jährige Deutsche gewann 1893 eine ganze Reihe von Matchen, erzielte einen hundertprozentigen Erfolg im New Yorker internationalen Turnier und richtete Anfang 1894 an den Weltmeister eine Herausforderung.

Steinitz war zu der Zeit schon 58 Jahre alt. Er hegte selbst immer mehr Zweifel, ob er den Titel würde erfolgreich verteidigen können, jedoch griff er den Fehdehandschuh auf. Der Kampf begann in New York, wurde in Philadelphia fortgesetzt und endete in Montreal. Das Match dauerte vom 15. März bis zum 26. Mai 1894. Lasker gewann den Wettkampf mit (+10 -5 =4). In der Geschichte des Schachs begann ein neues Kapitel.

Nach dem Titelverlust nahm Steinitz wenige Monate später am New Yorker Turnier, das im Oktober 1894 begann teil. Ohne Anstrengung siegte er überlegen mit 8,5 Punkten aus 10 Partien - allerdings nicht so souverän wie Lasker ein Jahr zuvor. Das war das letzte Turnier, in dem Steinitz den ersten Platz belegte.

Im Mai 1895 nahm Steinitz am Turnier zu Hastings teil. Unter den Teilnehmern befanden sich neben den neuen und dem alten Weltmeister auch sämtliche Thronbewerber, einschließlich Siegbert Tarrasch. Von seinen berühmten Gegnern bezwang Steinitz in Hastings Chigorin und Gunsberg, unterlag aber Lasker und Tarrasch sowie dem Sieger des Turniers, Pillsbury. Mit 13 Punkten aus 21 Partien belegte er hinter Pillsbury, Chigorin, Lasker und Tarrasch den 5. Platz.

Vom 13. Dezember 1895 bis 29. Januar 1896 beteiligte er sich an einem Vierer -Turnier der "Größten" in Petersburg. Der Entstand lautete: 1. Lasker 11,5 Pkt, 2. Steinitz 9,5 Pkt, 3. Pillsbury 8 Pkt, 4. Chigorin 7 Pkt. Steinitz gelang es, Pillsbury und Chigorin hinter sich zu lassen, er mußte sich nur Lasker beugen. Dadurch konnte er sich in dem Glauben wiegen, er hätte noch immer den zweiten Platz in der Weltrangliste inne und besäße einige Hoffnung, im Revanchematch um die Weltmeisterschaft erfolgreich zu sein. Kurze Zeit später trug Steinitz einen Zweikampf gegen Schiffers aus und siegte mit (+6 -4 =1).

Im Nürnberger Meisterturnier 1896, das beinahe so bedeutsam war wie das Turnier zu Hastings, belegte er mit 11 Punkten aus 18 Partien den 6. Platz. Von den Teilnehmern des Hastinger Turniers überholten ihn Lasker, Pillsbury und Tarrasch, von den neu aufgekommenen jungen Meistern Maroczy und Janowski. Das war ein neues Zeichen des Niedergangs, aber Steinitz weigerte sich, es zur Kenntnis zu nehmen.

Dann trat die Katastrophe ein. Das Revanchematch um die Weltmeisterschaft fand vom 7. November 1896 bis 14. Januar 1897 in Moskau statt. Den Sieg von Steinitz erwartete zwar niemand, doch fiel die Niederlage derart vernichtend aus, daß man allerorts bestürzt war. Lasker verdeidigte seinen Titel klar mit (+10 -2 =5).

Für die nächsten 11 Jahre war es das letzte WM - Match um die Schachweltmeisterschaft. Steinitz Hoffnungen waren zerstört. Er wurde gegen seinen Willen für vierzig Tage in Moskau in eine Nervenheilanstalt eingeliefert, doch bald wieder als genesen entlassen. Er kehrte daraufhin nach Amerika zurück.

Im August 1897 gewann Steinitz die New Yorker Meisterschaft. Anschließend reiste er nach Wien. Er gab dort eine Blindsimultanvorstellung über 22 Partien und gewann 17. Steinitz war 61 Jahre alt und es ging mit seiner Gesundheit bergab. Er hatte Herzprobleme und litt zeitweise unter Gedächtnisschwäche und Halluzinationen.

In Wien wurde vom 31. Mai bis 30. Juni 1898 ein Weltturnier veranstaltet. Der Ort, wo Steinitz seine Schachlaufbahn begann und wo er später die größten Erfolge errang, war für ihn eine günstige Umgebung. Durch Siege über Chigorin und Marco gelang ihm ein guter Start. Auch sein Stil erweckte Ehrfurcht. Obwohl Steinitz schon 62 Jahre alt war, erzielte er einen respektablen Erfolg. 1. Tarrasch 27,5 Pkt, 2. Pillsbury 27,5 Pkt, 3. Janowski 25,5 Pkt, 4. Steinitz 23,5.Pkt, 5. Schlechter 21,5 Pkt usw.

Auch nach dem Wiener Turnier gönnte sich der 62jährige Exweltmeister keine Ruhe. Schon 5 Tage später trat er zum Kölner Internationalen Turnier an. Unter 16 Teilnehmern errang er mit 9,5 Pkt. den 5. Platz.

Am 30. Mai 1899, begann ein doppelrundiges Weltturnier mit 15 Teilnehmern in London. Dieses brachte den Weltmeister Lasker seinen bisher größten Triumph. Er deklassierte selbst den Zweiten mit 4,5 Punkten. Hingegen mußte der Exweltmeister dem Alter seinen Tribut zollen. Mit 11,5 Pkt. konnte er - zum ersten Mal in seinem Leben - keinen Preis in Empfang nehmen.

Steinitz Gesundheitszustand verschlechterte sich rapide. Sein Geist verwirrte sich. Er bildete sich ein,daß Elektrizität aus seinen Fingern ausströmt,die die Schachfiguren lenkt. Er mußte wieder in eine Nervenheilanstalt eingeliefert werden.

In New York, im Park des Sanatoriums East River, konnte man am Ufer eines kleinen Baches oft einen alten Mann mit einer Krücke beobachten. Er saß dort auf einer Bank, hielt ein kleines Schachbrett in den Händen und murmelte unverständliche Worte.

Am 12. August 1900 starb Wilhelm Steinitz der 28 Jahre lang Weltmeister im Schach war auf Ward's Island, New York. Seine heute geschätzte Elo Wertung beträgt 2650. Wilhelm Steinitz gewann 43, verlor 43 und spielte 29 WM - Partien Remis. Das sind 57,5 Punkte aus 115 Partien. Er war offiziel 8 Jahre Schachweltmeister und gewann in einem Zeitraum von 28 Jahren jedes Match gegen die besten Spieler der Welt. Er spielte sechs offizielle WM - Matche und blieb trotzdem arm. Er spielte über 400 Wettkampf - und Turnierpartien und gewann 64 Prozent der Partien.