Emanuel Lasker
Name

 

Emanuel Lasker

Land

Deutschland
* 24/12/1868 Berlinchen
gestorben 13/01/1941 New York
Weltmeister 1894 - 1921

"Lasker stand als Weltmeister auf einsamer Höhe, er hat keine Schüler gehabt und keine Nachahmer gefunden." (Ludwig Bachmann)

"Warum habe ich derart sang - und klanglos verloren? Deshalb, weil Lasker der größte Meister des Schachspiels ist, dem ich jemals begegnete, wahrscheinlich sogar der größte von allen, die je lebten." (Wilhelm Steinitz 1896.)

",...wurde niemand der großen Schachspieler von der überwiegenden Mehrheit der Schachfreunde und selbst von Meistern so wenig verstanden wie Emanuel Lasker."
(J.R. Capablanca)

"Lasker war von allen Meistern, denen ich begegnet bin, der Größte!" (Max Euwe)

EMANUEL LASKER wird am 24. Dezember 1868 als viertes Kind jüdischer Eltern in Berlinchen (Mark Brandenburg) geboren.

Mit 11 Jahren erlernt Emanuel während eines Krankenhausaufenhalts in Berlin das Schachspiel von seinem älteren Bruder Berthold.

1888/89 nimmt der Mathematikstudent an einem Schachturnier im Cafe Kaiserhof teil und gewinnt alle Partien, ohne auch nur ein einziges Remis abzugeben.

1889 beteiligt sich Lasker am Hauptturnier in Breslau. Lasker darf sich als unbekannter Spieler mit am Hauptturnier, dem Turnier für Meisteraspiranten, beteiligen. Im Halbfinale qualifiziert er sich dabei ungeschlagen mit sieben Gewinn - und zwei Remispartien für das Finale. Hier teilt er nach vier Siegen und zwei Verlustpartien - mit Feyerfeil aus Wien den 1. und 2. Platz. Der geteilte erste Platz genügt aber noch nicht, um offiziell als Meister anerkannt zu werden.

Im Stichkampf erringt Lasker den Sieg und damit auch den Meistertitel gegen den später unbekannt gebliebenen Feyerfeil. Kaum einen Monat später beteiligt er sich an einem kleineren internationalen Meisterturnier in Amsterdam, das am 28. August beginnt. Von neun Teilnehmern belegt er den zweiten Platz. Nach dem Turnier erringt Lasker 1890 einen beachtlichen, wenn auch keineswegs überragenden Erfolg gegen Curt von Bardeleben, den er in einem Zweikampf mit (+2 -1 =1) bezwingt.

Emanuel Lasker

Anfang 1890 beteiligt er sich in Graz an einem Turnier mit sieben Teilnehmern. Der erste Mißerfolg stellt sich ein. Mit drei Siegen, zwei Unentschieden und einem Verlust muß sich Lasker hinter dem Ungarn Makovetz und dem Österreicher Bauer mit dem dritten Platz begnügen.

Lasker reist nach England und mißt dort seine Kräfte mit dem noch immer in guter Verfassung befindlichen Schachveteranen Henry Bird. Er siegt überraschend klar mit (+7 -2 =3). Nach einigen weiteren Erfolgen geringerer Bedeutung kehrt Lasker nach Deutschland zurück und spielt sofort einen Wettkampf mit dem Dritten des Breslauer Meisterturniers, dem jungen Jacques Mieses.

Der in Leipzig ausgetragene Kampf bringt Lasker einen neuen, überlegenen Triumph: Er fertigt seinen Gegner mit (+5 -0 =3) ab und läßt damit die Schachwelt ein weiteres Mal aufhorchen.

Danach begibt sich Lasker für längere Zeit nach England und häuft dort Erfolg auf Erfolg. Den größten erzielt er gegen den zur Weltspitze gehörenden Henry Blackburne. In 10 Partien siegt er sechsmal, die anderen vier enden Remis.

Dann schlägt er Bird in einem zweiten Wettkampf vernichtend mit (+5 -0 =0). Einige unbedeutendere Siege folgen. Schließlich bleibt er in einem doppelrundigen Turnier zu London mit Bird, Blackburne, Gunsberg und Mason ungeschlagen und wird mit 5 Siegen und drei Unentschieden Erster.

Die englischen Schachliebhaber sind von Laskers Erfolgen, mehr aber noch von seinem einfallsreichen Spiel begeistert. Sie sehen in ihm einen der besten Spieler der Welt, der auf dem ganzen europäischen Kontinent eigentlich nur zwei ernsthafte Widersacher besitzt, nämlich den Deutschen Siegbert Tarrasch und den Russen Mikhail Chigorin. (Wilhelm Steinitz lebte zu jener Zeit in Amerika).

Zuerst beabsichtigte Lasker, die Lage in seinem Heimatland zu klären. Er fordert deshalb seinen Landsmann, Dr.Siegbert Tarrasch, den scheinbar unbesiegbaren Matador großer internationaler Turniere, zu einem Wettkampf heraus.

Der mehrfache erste Preisträger, der die Erfolge von Lasker als "Dutzenderfolge" abwertet, antwortet aber nur hochmütig:

"Der junge Mann soll erst durch größere Siege in internationalen Turnieren den Nachweis erbringen, daß er das Recht hat, mit einem Mann wie mir zu spielen".

Emanuel Lasker

Kurz entschlossen schifft er sich nach Amerika ein. Dort gewinnt er überwältigend das New Yorker Meisterturnier von 1893, indem er alle 13 Gegner, darunter die gesamte amerikanische Elite, besiegt. Nun nimmt es schon niemand mehr wunder, als Lasker gar den Weltmeister herausfordert.

Der gealterte Steinitz ist indessen nicht so hoffärtig wie Dr.Tarrasch. Er nimmt die Herausforderung an, sollte dabei auch seine Weltmeisterschaft verlorengehen. So kam es, daß Tarrasch, der Steinitz fürchtete und Lasker unterschätzte, sich zwischen zwei Stühle setzte.

Das Match mit Steinitz dauerte vom 15. März bis zum 26. Mai 1894. Es wurde in drei Städten, und zwar in Montreal, New York und Philadelphia ausgetragen. Die ersten Partien zeigen noch einen ausgeglichenen Kampf. Nach zwei Unentschieden erreichte der junge Weltmeisterschaftsanwärter fünf Siege hintereinander, so daß am Ausgang des Kampfes kein Zweifel mehr bestehen konnte. Schließlich eroberte Lasker die Weltmeisterschaft mit dem Ergebnis (+10 -5 =4).

Lasker wurde 25jährig der zweite Weltmeister der Schachgeschichte und erhielt für seinen Sieg ein Preisgeld von $2000 Dollar.

Nach der Beendigung des Wettkampfes um die Weltmeisterschaft war der amtliche Weltmeister in der Person von Lasker gegeben, aber Dr.Siegbert Tarrasch galt nach Meinung der überwiegenden Mehrheit der Schachfreunde als bester Spieler der Welt. Wie konnte dieser Widerspruch gelöst werden? Jedermann erwartete mit Spannung einen Wettkampf, aber die Schachgeschichte nahm einen anderen Verlauf

Im Spätsommer 1895 versammelten sich die berühmtesten Meister in Hastings, zum bis dahin stärksten Turnier der Schachgeschichte. Weltmeister Lasker war dabei, auch Exweltmeister Steinitz und Tarrasch. Keiner der Elite des Schachs fehlte. Das 22 Teilnehmer umfassende Weltturnier begann am 5. August 1895 und dauerte bis 2. September. Das Resultat des Turniers warf alle Erwartungen und bisherigen Wertungen über den Haufen. Sieger wurde der talentierte, aber noch nie so erfolgreich hervorgetretene 23jährige Harry Nelson Pillsburry, der aus 21 Partien 16,5 Punkte erzielte. Den zweiten Platz errang der russische Weltmeisterschaftsanwärter Chigorin mit 16 Punkten. Erst danach folgten die "Großen Drei". Unter ihnen wurde Lasker mit 15,5 Punkten Erster. Tarrasch hatte 1,5, Steinitz 2,5 Punkte weniger als er. Damit war Tarrasch des Nimbus der Unbesiegbarkeit beraubt. Auch Laskers Ruf als "primus inter pares" war gefährdet. Welchen Ausweg gab es aus dieser verworrenen Lage?

Der Schachklub von St.Petersburg bemühte sich als erster - durch Chigorins hervorragende Leistung angespornt - die Lage zu klären. Er lädt das Feld der fünf Ersten von Hastings noch im Dezember des gleichen Jahres zu einem Matchturnier ein. Der in seinem Selbstvertrauen erschütterte Tarrasch weicht der Einladung aus, aber die vier anderen erklären sich sofort bereit, und so spielt jeder mit jedem einen kleinen Wettkampf über sechs Partien. Lasker wurde mit 11,5 Punkten aus 18 Partien erster Preisträger. Zweiter wurde Steinitz mit 9,5, dritter Pillsbury mit 8 und vierter Chigorin mit 7 Punkten.

Mit seiner Leistung hatte Lasker bewiesen, daß er des Weltmeistertitels würdig war. Trotzdem verdunkelte ein leichter Schatten seinen Erfolg. Er hatte Steinitz zwar mit (+3 -1 =2) und Chigorin sogar mit (+4 -0 =2) bezwungen, aber gegen Pillsbury mit (+1 -2 =3) den kürzeren gezogen. Der endgültige Beweis seiner Überlegenheit sollte jedoch nicht lange auf sich warten lassen.

Emanuel Lasker

Ein halbes Jahr darauf wird nämlich in Nürnberg vom 20. Juli bis zum 10. August 1896 ein großes Turnier veranstaltet, das seinem Vorgänger von Hastings in nichts nachsteht. Unter den 19 Teilnehmern befinden sich auch die "Großen Fünf". Lasker gewinnt das Turnier mit 13,5 Punkten. Zweiter mit 12,5 Punkten wird ein neuer Stern am Schachhimmel, der an einem so bedeutenden Turnier zum erstenmal teilnehmende Ungar Geza Maroczy. Die weitere Reihenfolge lautete: 3 - 4.Tarrasch und Pillsbury je 12,5 Pkt, 5.Janowski 11,5 Pkt, 6.Steinitz 11 Punkte. (Mit 9,5 Punkten teilt Chigorin hinter Schlechter und Walbrodt zusammen mit Schiffers den 9 -10.Platz).

Nach dem Triumph von Nürnberg unterliegt es nun keinen Zweifel mehr daß der 28jährige Lasker nicht nur Weltmeister, sondern auch der stärkste Meister der Welt ist. Eine kleine Formalität steht allerdings noch bevor. Er soll in einem Revanchekampf gegen Steinitz seinen Titel verteidigen.

Bei dem erneuten Zusammentreffen vom 7. November 1896 bis zum 14. Januar 1897 in Moskau steht Lasker vor keiner schweren Aufgabe. Lasker zerschmetterte seinen Gegner völlig. Er verfügte bereits über sieben Gewinnpunkte, ehe es Steinitz gelang, zwei Partien für sich zu entscheiden. Dann gewann erneut Lasker die Oberhand und siegte schließlich (+10 -2 =5). Damit hatte Lasker seinen Titel erfolgreich verteidigt und seine Vorherrschaft gefestigt.

Jetzt war endlich die Stunde gekommen, in der er darauf verzichten konnte, von Turnier zu Turnier zu hetzen. Zweieinhalb Jahre lang zieht er sich vom ernsthaften Spiel zurück.

Vier Jahre nach dem Weltturnier von Hastings - im Sommer 1899 - wurde in England wiederum ein großes Schachereignis vorbereitet. Diesmal versammelten sich fünfzehn der besten Spieler der Welt - nur Tarrasch und Charousek fehlten - in London, um ein doppelrundiges Turnier auszutragen. Ungeachtet der starken Gegnerschaft konnte Lasker einen vollständigen Triumph feiern. Er trug mit 4,5 Punkten Abstand den ersten Preis davon. Der Schlußstand lautete: 1.Lasker 23,5 Pkt, 2 - 4.Janowski, Maroczy und Pillsbury je 19 Pkt, 5.Schlechter 18 Pkt, 6.Blackburne 16,5 Pkt, 7. Chigorin 16 Pkt, 8.Showalter 13,5 Pkt, 9.Mason 13 Pkt, 10-11.Cohn und Steinitz je 12,5 Pkt, 12.Lee 10,5 Pkt, 13.Bird 8 Pkt, 14.Tinsley 7 Pkt, 15.Teichmann 2.Pkt.

Im folgenden Jahr wird vom 17. Mai bis zum 21. Juni 1900 in Paris ein erstklassig besetztes Turnier veranstaltet. Jeder ist vertreten, der Rang und Namen hat. Auch ein vielversprechender Neuling, der Amerikaner Frank Marshall, tritt auf den Plan. Er führt sich ausgezeichnet ein und schlägt selbst den Weltmeister. Es ist die einzige Niederlage von Lasker, der sonst nur einen halben Punkt in der letzten Runde gegen Chigorin abgibt. Der Endstand lautete: 1.Lasker 14,5 Pkt, 2.Pillsbury 12,5 Pkt, 3 - 4.Maroczy und Marshall je 12,5 Pkt, 5.Burn 11 Pkt, 6. Chigorin 10,5 Pkt, 7 - 9.Marco, Mieses und Schlechter je 10 Pkt, 10 -11.Janowski und Showalter je 9 Pkt, 12.Mason 4,5 Pkt, 13.Brody 4 Pkt, 14.Rosen 3 Pkt, 15.Mortimer 2 Punkte, 16 -17.Didier und Sterling je 1 Punkt.

Laskers triumphales Abschneiden in London und Paris sprengte die gewohnten Vorstellungen, erzielte er doch im ersten Turnier 82,7 Prozent, im zweiten sogar 90,6 Prozent der möglichen Punkte. Seine Alleinherrschaft ruhte also auf soliden Fundamenten. Er konnte es sich daher leisten, sich vom Schach zurückzuziehen, um seine mathematischen Studien fortzusetzen. Überhaupt war es für Lasker bezeichnend, dass er seine schachliche Tätigkeit immer wieder für längere Zeit unterbrach, um sich wissenschaftlichen und literarischen Projekten zu widmen

Zwei Jahre später, 1902, promovierte er an der Heidelberger Universität zum Doktor der Mathematik und der Philosophie. Danach schiffte er sich nach Amerika ein. Hier gab er seine berühmt gewordene Schachzeitschrift "LASKER'S CHESS MAGAZINE" heraus. Sie zählt zu den lehrreichsten und originellsten Schachpublikationen, die je erschienen sind, aber ihre Herausgabe stieß immer wieder auf finanzielle Schwierigkeiten. Nach wenigen Jahren war er gezwungen, das Erscheinen der Zeitschrift einzustellen. Inzwischen wurden in Europa mehrere bedeutende Turniere veranstaltet - ohne Lasker. Dieser widmete sich in der Neuen Welt - neben seiner Zeitschrift - vor allem mathematischen Untersuchungen.

Vom 25. April bis zum 19. Mai 1904 traf sich die Weltelite in Cambridge Springs. Das Turnier erfüllte alle Hoffnungen des damals 27jährigen Frank Marshall. Mit 13 Punkten aus 15 Partien wurde Marshall ungeschlagen Erster. Die weitere Reihenfolge war: 2 - 3.Janowski und Lasker je 11 Pkt usw.

Als Marshall das Turnier in Cambridge Springs gewann, endete seine Partie mit Lasker remis. Zuvor waren beide erst einmal aufeinander gestoßen, nämlich im Pariser Turnier 1900. Damals war Lasker Erster, erlitt aber gerade gegen Marshall seine einzige Niederlage. Deshalb gibt es nicht wenige, die schon im Jahre 1904 für einen Wettkampf um die Weltmeisterschaft zwischen den beiden Großmeistern plädierten.

Laskers materielle Ansprüche stehen jedoch einer schnellen Verwircklichung dieses Vorhabens im Wege. Bald wurde der Plan völlig fallengelassen, da Marshall seinen großen Triumph nicht zu wiederholen vermochte und Ende 1905 in einem Wettkampf gegen Tarrasch sogar eine vernichtende Niederlage in Höhe von (+1 -8 =8) einstecken mußte. In Ostende teilte er auch nur den 8 - 9.Platz und kam ein Jahr darauf nicht über den 7. Rang hinaus. Selbst sein dritter Platz in Barmen - zwischen den beiden Turnieren zu Ostende - kann für einen Weltmeisterschaftsanwärter nicht völlig befriedigen. Erst die zweite Hälfte des Jahres 1906 brachte die große Wende. Marshall gewann ungeschlagen und mit großer Überlegenheit ein internationales Turnier in Nürnberg, wobei er Tarrasch, der sich mit einem enttäuschenden 9 -11.Platz begnügen mußte, weit überflügelte. Plötzlich war der Wettkampf mit Lasker wieder in aller Munde.

Emanuel Lasker

Schon Ende Januar 1907 begann das Match in New York. Da bereits mehr als zehn Jahre seit dem letzten Zweikampf um die Weltmeisterschaft vergangen waren, erweckte es verständlicherweise großes Interesse. Hinzu kam, daß Lasker nicht nur Marshall zu bekämpfen hatte, sondern indirekt auch Tarrasch. Nur wenige zweifelten an Laskers Sieg, desto mehr erregte es aber die Gemüter, ob es ihm gelingen würde, den großen Erfolg, den Tarrasch, zwei Jahre zuvor gegen Marshall erzielt hatte, zu überbieten. Der Wettkampf war auf acht Gewinnpartien vereinbart, also ebenso wie das Match Tarrasch - Marshall. Tarrasch hatte seinerzeit 17 Partien benötigt, um die geforderten acht Siege zu erringen und dabei nur eine Partie verloren. Lasker gewann den Wettkampf bereits mit der 15. Partie (+8 -0 =7) ohne auch nur eine Niederlage hingenommen zu haben.

Nach Laskers Triumph stand der Vergleich mit Tarrasch wieder auf der Tagesordnung. Dieser hatte zwar den Höhepunkt seiner Laufbahn bereits überschritten, genoß aber als Lehrmeister einer ganzen Generation von Schachspielern hohes Ansehen und war auch als Wettkampfspieler sehr geschätzt.

Jedenfalls erblickte die öffentliche Meinung nur in ihm und in Geza Maroczy würdige Gegner für den Weltmeister. Lasker stellte für die damalige Zeit ungeheure materielle Forderungen. Dem Deutschen Schachbund gelang es schließlich die geforderten 17500 Reichsmark zu beschaffen, so daß dem Wettkampf nichts mehr im Wege stand. Das Match begann am 17. August 1908 in Düsseldorf und wurde am 1. September mit der fünften Partie in München fortgesetzt und dort am 30. September auch beendet. Lasker verteidigte seinen Titel nach 16 Partien mit (+8 -3 =5). Die Weltmeisterwürde war also in Ehren verteidigt worden. Lasker erhielt ein Preisgeld von 4000 Reichsmark.

Anfang des Jahres 1909 wurde ein internationales Turnier in St.Petersburg veranstaltet. Der Schlußstand lautete: 1 - 2. Lasker und Akiba Rubinstein je 14,5 Punkte, 3 - 4. Oldrich Duras und Rudolf Spielmann je 11,5 Pkt, 5. Ossip Bernstein 10,5 Pkt, 6. Richard Teichmann 10 Pkt, 7. Perlis 9,5 Pkt, 8 -10. Cohn, Salwe und Carl Schlechter je 9 Pkt, 11 -12. Jacques Mieses und Tartakower je 8,5 Pkt usw.

Nach dem Petersburger Turnier verbrachte Lasker eine kurze Zeit in Paris. Aus diesem Anlaß wollte Pierre Nardus, "der Weltmeister der Schachmäzene", einen Wettkampf zwischen seinem Schützling, dem Großmeister Janowski, und dem Weltmeister zustande bringen. Er bot ein märchenhaftes Honorar an. Lasker ließ sich wegen Zeitmangels jedoch vorläufig nur auf vier Partien ein. Dieser kleine Vergleichskampf fand im Mai 1909 statt und endete mit einer gewaltigen Überraschung.

Emanuel Lasker

Lasker schaffte nur ein Unentschieden (+2 -2 =1). Janowskis Erfolg versetzte seinen Mäzen derart in Begeisterung, daß er noch im Oktober des gleichen Jahres einen Wettkampf um die Weltmeisterschaft, diesmal über zehn Partien - finanzierte. Doch Lasker der sich auf seinen Gegner eingestellt hatte, siegte eindeutig (+7 -1 =2).

Ein Jahr später geriet Laskers Weltmeistertitel in Gefahr. Er spielte gegen den Österreicher Carl Schlechter. Der Wettkampf ging vom 7. Januar bis 10. Februar 1910. Mit Mühe konnte der Weltmeister den Wettkampf gerade noch unentschieden gestalten und den Weltmeistertitel mit (+1 -1 =8) verteidigen. Für jede Partie erhielt Lasker 1000 Reichsmark.

Er blieb also Weltmeister, aber sein Nimbus hatte an Glanz eingebüßt. Es war das erste Mal seit anderthalb Jahrzehnten, daß Lasker in Gefahr war, entthront zu werden.

Da Janowski im letzten Wettkampf gegen Lasker im Jahre 1909 in vielen Partien auf "Gewinn" gestanden hatte, gab Nardus keine Ruhe und organisierte zusammen mit der Berliner Schachgesellschaft im Herbst 1910 ein weiteres Match um die Weltmeisterschaft. Sieger sollte sein, wer zuerst acht Partien gewonnen hatte. Lasker ließ seinem Gegner keine Chance. Ohne auch nur eine Partie zu verlieren, verteidigte er seinen Titel unangefochten mit dem Ergebnis (+8 -0 =3). Für seinen Sieg erhielt Lasker 7000 Francs.

Lasker spielte 4 Titelkämpfe innerhalb von vier Jahren. Nach 11 Jahren ohne WM - Match, verteidigte Lasker seinen Titel drei mal innerhalb von 13 Monaten. Es dauerte anschließend wieder 11 Jahre bevor es zum nächsten WM - Match kam.

Drei Jahre hindurch beteiligte sich Lasker an keinem Turnier. In dieser Zeit arbeitete er an einem philosophischen Werk, über dessen Zielstellung er anläßlich des Petersburger Meisterturniers von 1914 einen mit regen Interesse aufgenommenen Vortrag hielt.

Im 50. Lebensjahr des Weltmeisters erschien es dann 1918 als Buch unter dem Titel "DIE PHILOSOPHIE DES UNVOLLENDBAREN".

Lasker errang seinen überzeugendsten Turniersieg 1899 in London, sein wertvollster Erfolg war jedoch der im St.Petersburger Turnier 1914 erkämpfte erste Platz. Das Turnier fand vom 21. April bis zum 22. Mai 1914 statt. Der Endstand lautete: 1.Lasker 13,5 Pkt, 2.Capablanca 13 Pkt, 3.Aljechin 10 Pkt, 4.Tarrasch 8,5 Pkt, 5.Marshall 8 Punkte.

Zar Nikolaus der II verlieh den Titel "Großmeister des Schachs" an Lasker, Capablanca, Aljechin, Tarrasch und Marshall.

In den ersten Jahren des Ersten Weltkrieges lebte Lasker sehr zurückgezogen. Im letzten Kriegsjahr beteiligte sich der Weltmeister an einem doppelrundigen Viermeisterturnier, das in Berlin stattfand und anläßlich seines 50. Geburtstages veranstaltet wurde. Der Endstand lautete: 1.Lasker 4,5 Pkt, 2.Rubinstein 4 Pkt, 3.Schlechter 2 Pkt, 4.Tarrasch 1,5 Punkte.

Lasker plante, einen Wettkampf um die Weltmeisterschaft mit Akiba Rubinstein auszutragen. Aber der Ausbruch des Ersten Weltkrieges machte alle Planungen zunichte.

1921 forderte der 33jährige Kubaner José Raoul Capablanca den Weltmeister zu einem Wettkampf um die Weltmeisterschaft heraus. Lasker, der sich zu dieser Zeit in einer seelischen Krise befand, nahm die Herausforderung aber nicht an. Er war sogar geneigt, seinem Titel zu entsagen und ihn kampflos auf den zwanzig Jahre jüngeren Rivalen zu übertragen.

Capablanca und seine Anhänger waren jedoch mit einer solchen unbefriedigenden Lösung nicht einverstanden. Sie brachten einen Preisfonds von $20000 Dollar für den Kampf um die Weltmeisterschaft auf. Von diesem für schachliche Verhältnisse ungeheuren Betrag wurde Lasker auch für den Fall einer Niederlage ein Honorar von $11000 Dollar zugesichert.

Der sich in materiellen Schwierigkeiten befindene Weltmeister konnte der Versuchung nicht widerstehen. Im März 1921 begann der Wettkampf in Havanna. Aber der drückenden Hitze, die um diese Jahreszeit herrschte, war der 53jährige Lasker nicht gewachsen. Bei einem Zwischenstand von (+4 -0 =10) zu Capablancas Gunsten, bat Lasker darum, den Kampf in einer Gegend mit gemäßigterem Klima, etwa in New York oder Philadelphia, fortzusetzen. Capablanca lehnte diesen Vorschlag ab, worauf Lasker - sich auf seinen erschütterten Gesundheitszustand berufend - den ursprünglich auf vierundzwanzig Partien festgesetzten Wettkampf aufgab und sich für besiegt erklärte.

Lasker war somit 27Jahre und 337 Tage Weltmeister gewesen. Er kehrte unverzüglich nach Europa zurück und begab sich in ärztliche Pflege. Bevor seine Gesundheit völlig wiederhergestellt war, vergingen jedoch Monate.

Als Exweltmeister nahm Lasker 1923 zum ersten Mal wieder an einem Turnier teil, das in Mährisch - Ostrau veranstaltet wurde. Lasker gewann das Turnier mit 10,5 Pkt vor Reti 9,5 und Grünfeld 8,5 Pkt.

Nach dem erfolgreichen Wiederauftreten Laskers sah die Schachwelt dem vom 15. März bis zum 19. April 1924 in New York veranstalteten doppelrundigen Turnier mit gesteigertem Interesse entgegen, traf doch der Exweltmeister zum ersten Mal nach dem verlorenen Wettkampf wieder auf Capablanca.

Der Endstand lautete: 1.Lasker 16 Pkt (80% der erreichten Punktzahl), 2.Capablanca 14,5 Pkt, 3.Aljechin 12 Pkt, 4.Marshall 11 Pkt, 5.Reti 10,5 Pkt, 6.Maroczy 10 Pkt usw.

Dies war Laskers letzter Turniersieg. Von 1895 bis 1924 nahm Lasker an zehn große Turniere teil. Acht mal wurde er Erster, ein Mal belegte er den zweiten Platz und ein Mal wurde er Dritter. Er gewann 119 Partien, spielte 46 Remis und verlor 18 in dreißig Jahren Turnierschach.

Gegen Ende des Jahres 1925 wurde ein Turnier in Moskau veranstaltet. Bogoljubov wurde Erster mit 15,5 Pkt. Lasker erreichte mit 14 Pkt den zweiten Platz, placierte sich aber erneut vor Capablanca der mit 13,5 Pkt nur den dritten Platz erreichte.

Die Züricher Schachgesellschaft veranstaltet vom 14. bis 28. Juli 1934 ein großes Turnier. Unter den sechzehn Teilnehmern befinden sich Aljechin, der seit 1927 Weltmeister ist, der Weltmeisteranwärter Euwe - aber auch der 65jährige Exweltmeister Lasker. Die neunjährige Pause war an Lasker nicht spurlos vorübergegangen, und auch sein hohes Alter beeinträchtigte sein Spiel. Er erlitt vier Niederlagen, belegte aber mit neun Siegen und nur zwei Remispartien immerhin noch den fünften Platz.

In Moskau wurde vom 15. Februar bis zum 14. März 1935 ein weiteres erstklassiges Turnier veranstaltet, und Lasker erkämpfte ungeschlagen den dritten Platz. Sein Erfolg war auch deshalb so wertvoll, weil er seinen alten Rivalen Capablanca erneut hinter sich ließ und ihn obendrein zu besiegen vermochte. Das Moskauer Turnier endete mit einem geteilten Sieg von Mikhail Botwinnik und Flohr, beide erzielten je 13 Punkte. Lasker belegte mit 12,5 Pkt den 3. und Capablanca mit 12 Pkt. den 4. Platz.

Vom 14. Mai bis zum 8.Juni 1936 wird in Moskau ein doppelrundiges internationales Turnier mit zehn Teilnehmern ausgetragen. Mit acht Punkten aus achtzehn Partien muß sich Lasker mit dem 6. Rang begnügen.

Dann folgt Laskers letztes Turnier. Es findet vom 10. bis 28. August 1936 in Nottingham statt. Zu den fünfzehn Teilnehmern gehöhren Weltmeister Euwe und die drei Exweltmeister Lasker, Capablanca und Aljechin. Lasker nimmt einen ehrenvollen 7 - 8.Rang ein, nur anderthalb Punkte von den beiden Ersten getrennt. Laskers Pläne, an weiteren Turnieren teilzunehmen, zerschlugen sich. So blieb es dabei, daß seine Ruhmvolle Laufbahn in Nottingham ihren Abschluß fand.

Emanuel Lasker

Nach seinem Abschied vom Turnierschach hält Lasker nichts mehr in Europa zurück. Als sich die Lage in Europa weiter zuspitzt, begibt er sich mit seiner Frau nach Amerika. Noch immer gibt der 70jährige Simultanvorstellungen, hält er Vorträge, spielt er Schach - und Blindpartien - seine Lebensumstände zwingen ihn dazu.

Im Winter 1939/40 leitet Lasker eine Schachhochschule in New York. Während einer Vorlesung erleidet er plötzlich einen Schwächeanfall. Seine Gesundheit ist zerrüttet. Seinen 72. Geburtstag feiert er am 24. Dezember 1940 im Kreis seiner Freunde. Aber das Ende ist schon Nah.

Der letzten Tage gedenkt Frau Martha Lasker mit den Worten: (Originaltext)
"Am folgenden Tag besuchten ihn Reuben Fine und dessen Frau zum letztenmal. Er konnte ihnen nur noch mit der Hand zuwinken. Als Fine gegangen war, hörte ich Emanuel die Worte wispern:"König des Schachs..." Es waren die letzten Worte, die ich aus seinem Munde vernommen habe. 13 Januar 1941: An diesem Tage ist ein heller Stern erloschen, der die Menschenkinder bereichert und die Welt schöner gemacht hat. Mir ward das große Glück zuteil, mitzuwandern den Weg dieses Sterns. Ich kann euch allen nur sagen: Ihr habt einen großen Schatz verloren, ich aber habe alles verloren..."

Lasker war ein Weltbürger, eine universelle Persönlichkeit. Schach bestimmte sein Denken, war aber nicht der alleinige Inhalt seines Daseins. Er war ein Kämpfertyp - am Brett wie im Leben. Bezeichnend dafür ist sein zähes Verteidigen in komplizierter Lage und sein Ausspruch: "Jede Stellung hat ihre Ressourcen!" Sein wesentlichster Beitrag zur Entwicklung des Schachs besteht wohl in dem von ihm ausgeprägten psychologischen Stil, d.h., Lasker suchte "durch das Medium der Schachpartie in erster Linie die Psyche des jeweiligen Gegners zu bekämpfen" (Reti). In dieser Haltung wurde er ebenso häufig missverstanden wie in seinem Bemühen, den Berufsmeisterstand ideell und materiell zu heben.

Lasker verteidigte seinen Titel sieben Mal in sechsundzwanzig Jahren. Seine höchste nachträglich errechnete Elo Wertung beträgt 2720. Er spielte 112 WM - Partien mit einem Ergebnis von (+ 52 -16 = 44) und erreichte 74 Punkte aus seinen 112 Partien. Er erzielte eine Gewinnausbeute von 66 Prozent, die bis jetzt höchste aller Weltmeister.